Karpfen (1)
Wildkarpfen
Der Karpfen ist einer der beliebtesten Fische nicht
nur bei Anglern, sondern bei der ganzen
Bevölkerung. Schon früh sind mehrere Zuchtformen
entstanden. In diesem Kapitel beschäftigen wir
uns mit der Wildform des Karpfens.
Die ursprüngliche Heimat des Wildkarpfens sind die großen Zuflüsse des mittelländischen, des Schwarzen und des Kaspischen Meeres sowie des Aralsees. Verglichen mit den häufiger gefangenen Zuchtformen (Schuppen-, Spiegel - und Lederkarpfen), sieht der echte Wildkarpfen von Kopf bis Schwanz wie ein echter Kämpfer aus. Mit ihrem lang gestreckten Körper, der ein wenig an Barben erinnert, sind selbst kleine Wildkarpfen sehr schnell und kräftig. Der bronzefarben- grünliche Rücken, der blassgelbe Bauch und der rötliche Schwanz eines Wildkarpfens sind ein wunderschöner Anblick.
Unterscheidungsmerkmale
Auch wenn der
Wildkarpfen zur selben Art wie seine gezüchteten Verwandten gehört, gibt es
einige gravierende Unterschiede. Der Wildkarpfen ist kräftiger und
widerstandsfähiger gegen Krankheiten, was wahrscheinlich auf den wesentlich
höheren Hämoglobin-, Zucker- und Vitamin-
A- Spiegel im
Blut zurückzuführen ist Der Höcker hinter dem Kopf, der bei gezüchteten Karpfen
immer vorhanden ist, fehlt beim echten Wildkarpfen.
Selbst in nahrungsreichen Gewässern wächst der Wildkarpfen nur langsam
ab. Unter perfekten Bedingungen erreicht er ein Gewicht von etwa 7 kg. Die
meisten Exemplare wiegen jedoch weniger als die Hälfte. Wie alle Karpfen
laichen Wildkarpfen im Früh-
bis Hochsommer und legen ihre Eier an
Wasserpflanzen ab.
Schon die
alten Römer...
Von den Römern, die seine Bedeutung als Speisefisch erkannt hatten, wurde
der Wildkarpfen in ganz Europa verbreitet. Im Mittelalter züchteten dann die
Mönche in ihren Klöstern Wildkarpfen. Brauchten sie doch einen anständigen
Fisch, den sie an ihren über hundert Fastenstagen im Jahr essen konnten. Doch
gehörten damals keineswegs alle Karpfenteiche der Kirche, auch die übrige
Bevölkerung hatte Geschmack an diesem Fisch gefunden.
Karpfen auf
Eis
Bis zum Beginn unseres Jahrhunderts wurden Karpfen als Speisefische mit
Netzen gefangen. Im damaligen Ostpreußen zum Beispiel hatte so gut wie jedes
Landgut einen See, und zu jedem See gehörte ein Eiskeller. Das Eis wurde im
Winter aus den Seen herausgeschnitten und in großen unterirdischen Kammern
aufbewahrt. Mit einer guten Isolierschicht aus mehreren Metern Erde konnte das
Eis die Sommermonate überdauern. In einem Jetten" Jahr wurden riesige
Mengen an Karpfen zur späteren Verwendung in diesen Vorläufern unseres
Kühlschranks gelagert. Die einst so zahlreichen echten Wildkarpfen werden immer
seltener. In den letzten 30 Jahren hat ein verstärktes Interesse der Angler zu
einer massiven Aufzucht der schnell abwachsenden Zuchtkarpfen geführt. Die
Zuchtkarpfen haben sich dann mit Wildkarpfen gekreuzt, wodurch die reinen
Wildformen immer mehr verdrängt wurden. Inzwischen versuchen einige engagierte
Angler, wenigstens die verbleibenden Bestände dieser uralten Fischart zu
erhalten.
Lebensdaten
Wissenschaftlichen
Name. Cyprinus carpio
Höchstgewicht:
7,3 Kg
Durchschnittsgewicht:
2 Kg
Maximale
Länge: 66 cm
Lebenserwartung: 40 Jahre oder mehr
Karpfen (2)
Die Zuchtformen
Der Karpfen, als köstlicher Speisefisch aus
der Wildform gezüchtet, ist auch bei Anglern überaus
beliebt: Er wächst gut ab und kämpft ausdauernd.
Verschiedene Fischarten werden als Karpfen bezeichnet beispielsweise der
Schuppenkarpfen und der Graskarpfen, aber auch die Karausche kennt man in
manchen Gegenden als "Bauernkarpfen". Um alles noch verwirrender zu
machen, gibt es darüber hinaus den Schuppenkarpfen in drei Zuchtformen: den
Lederkarpfen, den Spiegelkarpfen und den "eigentlichen"
Schuppenkarpfen.
Breit und
plump
Die meisten Karpfen haben einen breiten, plumpen Körper und einen
braunen Rücken. Die Flanken sind bei den Lederkarpfen meistens dunkelbraun oder
gelb; bei Wildkarpfen schimmern sie golden. Die Karpfenbrut ernährt sich von
Plankton und Wasserflöhen, während ausgewachsene Karpfen mit ihren
empfindlichen Barteln und Saugmäulern optimal für die Ernährung am
Gewässergrund ausgestattet sind. Sie verbringen die meiste Zeit damit, im Schlamm
am Grunde der Seen und Flüsse nach Nahrung zu wühlen. Kein Tier im Schlamm ist
vor den gründelnden Karpfen sicher, weder Schnecken, Krebse, Zuckmückenlarven
noch Muscheln. Doch suchen Karpfen auch im mittleren Wasser nach Nahrung und
kommen sogar an die Oberfläche, um nach treibendem Futter Ausschau zu halten. Obwohl
man sie nicht zu den Raubfischen zählt, hört man immer wieder einmal von großen
Karpfen, die Fische fressen. Sie haben äußerst empfindliche Geschmacksund
Geruchsrezeptoren, mit denen sie ihre Nahrung erkennen können. Deswegen gehen
sie auch Ködern aus dem Weg, mit denen sie bereits einmal gefangen wurden.
Karpfen sind scheu und nehmen im Nu Reißaus, so dass der Angler vorsichtig und
leise sein muß, wenn er sich einem flachen Wasser nähert. Auch die Temperatur beeinflusst
die Fresslust. Liegt die Wassertemperatur unter
14º C, kann man davon ausgehen,
dass die Karpfen kaum noch fressen. Ganz raffinierte Angler haben jedoch schon
gezeigt, dass man Karpfen auch im Winter zum Fressen anregen kann. Gut
belüftetes Wasser bei windigem Wetter die Flachwasserbereiche und der
Oberflächenbereich regt Karpfen ebenfalls zum Fressen an.
Lebensraum und Laichverhalten
Karpfen leben bevorzugt in stehenden Gewässern. Ein pflanzenreicher See
mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot ist aus diesem Grund ideal für diese
Fische. Doch sind Karpfen außergewöhnlich anpassungsfähig, und man trifft sie
auch in einigen Stauseen, in den großen Flüssen mit langsamer bis mäßiger
Strömung und selbst in einigen schnellfließenden Bächen an. Flusskarpfen sind
sichtlich schlanker als ihre Vettern im See und wirken a dadurch etwas
"sportlicher". Wie die Fresstätigkeit hängt auch das Laichverhalten
von der Wassertemperatur ab. Karpfen laichen nur ab, wenn die Wassertemperatur zwischen
18 und 20º C liegt,. normalerweise Ende Mai, Anfang Juni. Karpfen erreichen ein
Alter von 40 Jahren und mehr.
Wenn das Wasser warm genug ist, legen die Weibchen über eine Million Eier
zwischen Kraut in den Flachwasserbereichen ab. Aus den kleinen, klebrigen und
gelblich gefärbten Eiern schlüpfen nach drei bis acht Tagen die Brutfische,
wobei wiederum die Wassertemperatur entscheidend ist. Die Fischlarven ernähren
sich einige Tage lang von ihren Dottersäcken. Danach beginnen sie, winzige
Wasserorganismen zu fressen.
In Gewässern mit ausreichend Nahrung und beständig hoher
Wassertemperatur wachsen die Fische schnell ab. Pro Jahr nehmen sie dann etwa
ein Kilo zu.
Lebensdaten
Wissenschaftlicher Name:
Cyprinus carpio
Höchstgewicht: 45 Kg
Durchschnittsgewicht: 4,5
kg
Maximale Länge: 100 cm
Lebenserwartung: 40 Jahre
und mehr
Karpfen (3): Hybriden
der Karpfenfamilie
Viele Angler behaupten, sie könnten jede
Mischform sofort bestimmen. Doch in Wirklichkeit ist
es keineswegs so einfach.
Hybriden oder Bastarde sind keine echten
Vertreter irgendeiner Gattung, sondern eine Kreuzung aus zwei Fischarten. Die
meisten Friedfischangler interessieren sich für die Frage, ob Hybride oder
nicht, meistens erst dann, wenn es um die Anmeldung eines möglichen Rekordfisches
geht. Ein Rotauge- Rotfeder Mischling darf natürlich nicht als neuer deutscher
Rotaugen- Rekord gefeiert werden. Es
gibt unterschiedliche Hybriden unter den Karpfenartigen, so z. B. auch einen
Ukelei- Döbel- Hybriden. Viele dieser Mischformen sind seit Jahrzehnten
bekannt, aber erst in neuerer Zeit hat man neun unterschiedliche Kreuzungen zweifelsfrei
bestimmen können.
Kennzeichen
Wie so ein Hybride aussieht, richtet sich natürlich nach seinen Eltern.
Das Ergebnis aus zwei recht unterschiedlichen Elterntieren, wie z. B. Rotauge
und Brassen, ist ziemlich deutlich eine Mischung aus beiden. Dies macht die
Bestimmung recht einfach. Bei anderen Paarungen kann es viel schwieriger sein.
Rotaugen und Rotfeden
sehen einander sowieso schon so ähnlich, dass selbst
erfahrene Angler sie manchmal verwechseln. Um so aussichtsloser ist es, einen
Hybriden aus beiden Arten erkennen zu wollen. Zu einem eindeutigen Ergebnis
kommt man nur, wenn man den Fisch tötet und seine Schlundzähne betrachtet. Bei
anderen Hybriden gibt es einfachere Wege der Bestimmung. Kreuzungen aus
Rotaugen und Brassen haben 15
- 19 Strahlen in der Afterflosse; dies
entspricht etwa dem Mittelwert zwischen Rotaugen mit 9-12 Flossenstrahlen
und Brassen mit 24 -
29. Das Verhalten von Hybriden ähnelt oft dem beider
Elternteile, besonders das Fressverhalten. Andererseits gibt es auch
Unterschiede: Hybriden neigen zu schnellerem Wachstum und werden häufig auch
größer als ihre Eltern. So erreichen Rotaugen‑Brassen‑Mischlinge
relativ schnell Größen von 3,6 kg.
In weichen Gewässern?
Es scheint, als ob in Gewässern, die von Menschenhand verändert wurden,
eher Hybriden anzutreffen sind als in naturbelassenen. Ausbaggerungen,
Begradigungen, Zerstörung der Wasserflora, Einführung neuer Arten und
Überbesatz führen unter den Fischarten zu einem erhöhten Konkurrenzkampf um die
Laichplätze. Dadurch werden während der Laichzeit die unterschiedlichen Arten
der Karpfenartigen enger zusammengedrängt, und es wird wahrscheinlicher, dass
es zu Kreuzungen zwischen den Arten kommt. In naturbelassenen Gewässern
hingegen entstehen Mischformen nur selten. Viele Hybriden sind fruchtbar. Sie
können also eine zweite Generation von Hybriden erzeugen. Dies ist eine
Besonderheit von Fischen, denn die Kreuzungen zwischen anderen Tierarten sind
meist unfruchtbar, wie das Maultier.
Ein Hybride wird sich während der Laichzeit höchstwahrscheinlich wieder
unter eine seiner Elternarten mischen, so dass seine Nachkommen Kreuzungen aus
Hybrid und Reinrassig sind und so weiter. Die Mischungsverhältnisse der Gene
werden also immer komplizierter. Man muß sich sogar mit dem Gedanken
anfreunden, dass keine der Hybriden produzierenden Arten unter den
Karpfenartigen mehr reinrassig vorkommt. Vielleicht haben
"Rekordfische" tatsächlich irgendwo in ihrem Stammbaum einen
großwüchsigen Hybriden versteckt.
Zur Zeit weiß man leider noch zu wenig über das Laichverhalten von Hybriden - sei es untereinander, sei es in Bezug auf ihre Elternarten. So muß man sich auf die Feststellung beschränken, dass unter den Karpfenartigen anscheinend alles möglich ist.