Der gepanzerte Stör
Dieser Meeresfisch stieg früher zum Laichen in alle
großen europäischen Flüsse auf. Heute ist er
bei uns vermutlich ausgestorben
-
man findet ihn
nur noch im Schwarzen Meer.
Der Baltische oder Gemeine Stör (Acipenser sturio) ist an unseren Küsten
nicht mehr zu finden. Die letzten Aufzeichnungen in Großbritannien gehen nun
auch schon über 60 Jahre zurück. Ein Lachsangler fing dort 1933 im Towy nahe
Carmarthen einen Stör von 176 kg mit der beachtlichen Länge von 2,8 m. Der
Fisch war fehlgehakt und strandete sich nach längerem Drill eventuell selbst im
Flachen, wo er dann mit einem Stein erschlagen wurde. Da der Stör fehlgehakt
war, erscheint er nicht in den offiziellen britische Rekordlisten.
Das Kuriose an diesem Fang lag einerseits in
der Größe des Störs in einem relativ kleinen Fluss und andererseits in der
Tatsache, dass er mit der Angel gefangen wurde. Störe gehören nicht unbedingt
zu den Angelfischen. Sie sind sogar äußerst schwierig mit der Angel zu fangen,
da sie ähnlich wie Lachse nur zum Laichen in die Flüsse aufsteigen und dann nur
sehr wenig Nahrung zu sich nehmen.
Die Bestimmung fällt leicht: Kein andere
Fisch hat wie der Stör fünf Reihen von Knochenschilden auf Rücken und Flanken
- eine Reihe genau auf der Rückenmitte, eine Reih~
mitten auf jeder Seite und jeweils eine Reihe entlang
der Unterkante der Flanken. Der Schwanz ähnelt dem des Hais, das Rückgrat
reicht bis in den oberen Lappen der Schwanzflosse. Der mit Hautknochen gepanzerte Kopf ist ein anderes
Erkennungsmerkmal. Der Stör ist auf der Oberseite grünlichgrau und auf der
Unterseite weißlich mit blaßrosa Flossen.
Fressgewohnheiten
Über die Fressgewohnheiten ist nur wenig
bekannt. Man vermutet,
dass sich die Jungfische im Süßwasser von bodenlebenden
Insektenlarven, Würmern, Krebstierchen und Weichtieren ernähren. Für erwachsene
Tiere im Meer gilt das Gleiche, hinzu kommen allerdings noch Sandaale, Grundeln
und kleine Plattfische. Das für die Größe des Störs erstaunlich kleine Maul
befindet sich auf der Unterseite des Kopfes. Es kann rüsselartig vorgestülpt
werden. Die vier Barteln an der Unterseite der Schnauze direkt vor dem Maul
sind sehr empfindlich und dienen zum Aufspüren von Nahrung. Der Stör kann mit
seiner langen Schnauze Nahrung aus
dem Meeres- oder Flussboden ausgraben,
die er
anschließend mit seinem rüsselförmigen Maul einsaugt.
Ein empfindlicher Fisch
An den gesamten
Atlantikküsten, in der Ostsee und im Mittelmeer ist der Stör heute ein extrem seltener
Fisch. Nur im Schwarzen Meer und dort vor allem im Donau-
Delta wird der
Stör noch recht häufig gefangen. Das einzige andere
Flusssystem, in das der Stör
noch regelmäßig aufsteigt, ist die Gironde, wo die Garonne auf den Golf von
Biscaya trifft. Dort haben französische Fischereibiologen ein erfolgreiches
Programm gestartet: Störeier werden künstlich ausgebrütet und die jungen Störe
anschließend ausgesetzt. Die vereinzelten Fänge vor den britischen Küsten
stammen aus diesem französischen Besatzprogramm.
Störe laichen im Süßwasser und leben im
Meer. Daher wirken sich Umweltverschmutzung oder Wanderhindernisse wie etwa
Staudämme vernichtend auf die Bestände aus.
Die geschlechtsreifen Störe steigen im
Februar und März in die Flüsse auf, das Laichen findet von Mai bis August an
tiefen Flussabschnitten mit ruhig fließendem Wasser über Kiesgrund statt. Nach
dem Laichen kehren die Fische sofort ins Meer zurück. Die dunkelgrauen oder
braunen Eier kleben an Steinen oder Felsen am Gewässergrund fest, und die
jungen Störe schlüpfen je nach Wassertemperatur nach drei bis sieben Tagen. Sie
können in ihrem ersten Jahr bis zu 20 cm groß werden und ziehen dabei stetig
flussabwärts. Die jungen Störe wandern nach zwei, drei Jahren mit einer Größe
von etwa 45 cm ins Meer ab.
Große
Flüsse für große Fische
Da der Stör so riesig ist, kann er nur in den größeren Flüssen laichen.
Die Donau ist schon immer für ihre guten Störbestände
bekannt gewesen. Es gab einmal Zeiten, da wollte an diesem Fluss kein Mensch
mehr Störfleisch essen, weil es so billig
war, dass es selbst den Ärmsten der Armen zum Halse heraushing.
Auch der Guadalquivir in Spanien und Portugal, die
Gironde und die Seine in Frankreich, der Rhein und
die Elbe sowie alle größeren in die Ostsee mündenden Flüsse hatten in früheren
Zeiten bedeutende Störbestände aufzuweisen.
Lebensdaten
Wissenschaftlicher Name: Acipenser sturio
Höchstgewicht: um 300 kg
Durchschnittsgewicht: um 45 kg
Maximale Länge: um 3,3 m
Lebenserwartung: bis zu 50 Jahre
Der
Stör-Fall
Früher war der Stör ein
weitverbreiteter Fisch in den Meeren und größeren Flüssen Europas. Er war nicht
nur ein wichtiger Fleischlieferant sein Kaviar brachte einigen Gegenden auch
einen gewissen Wohlstand. Heute
gehört der Stör zu den vom
Aussterben
bedrohten Fischarten. Außer der Überfischung sind
Flussverschmutzungen und Staudämme, die den Aufstieg in die Flüsse verhindern,
die Ursachen, dass diese Fischart fast ausgelöscht ist.